Review: ersa i-CON PICO Lötstation

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Für meine heimischen Projekte habe ich mir die ersa i-CON PICO Lötstation geholt. Da ich gewerblich nicht den Lötdurchsatz habe, wollte ich keine Unsummen ausgeben. Von der Arbeit her kenne ich aber den Vorteil zuverlässiger Lötstationen.

Ich habe mir zwar Versuchsweise einen Lötkolben ohne Elektronikstation gekauft (sogar geregelt und mit ca. 70 Euro deutlich günstiger), doch alleine das dicke Kabel und das hohe Gewicht haben mich zur Rücksendung bewegt. Den billigen Lötkolben vom Baumarkt aus meiner Jugend, den ich noch in der Schublade hatte, habe ich auch direkt dort liegen lassen.ersa-i-con-pico-loetstation

Mit der i-CON PICO habe ich hingegen die perfekte Balance zwischen Preis und Leistung gefunden.



Lieferumfang (Artikelnummer)

  1. Elektronikstation i-CON PICO 80W (0IC133)
  2. Lötkolben i-Tool PICO 80W (0130CDK)
  3. ERSADUR Lötspitze meißelförmig 1,6 mm (0102CDLF16)
  4. Lötkolben-Ablageständer mit Drahtschwamm-Becken (0A53)

Spezifikationen

Max. Leistung: 80 Watt
Max. Lötspitzentemperatur: 450 °C
Temperaturbereich: 150-450 °C

Positives

Die Station heizt schnell auf. Vom Umlegen des Schalters bis zum Überschreiten von 360 Grad Celsius vergehen 16 Sekunden. Bis sich die Temperatur auf 360 Grad eingependelt hat vergehen ca. 44 Sekunden. Die Temperatur wird gut gehalten und die Station heizt schnell nach. Nach einiger (einstellbarer) Zeit in der die Station keine größeren Temperaturschwankungen merkt, sprich, wenn man nicht lötet, schaltet sie in einen mehrstufigen Standby-Modus. Bei diesem wird pro Stufe die Temperatur immer weiter reduziert. Zum Aufwecken reicht (zumindest habe ich das in der ersten Stufe bemerkt) ein Abwischen des Kolbens am Drahtschwamm, oder das Betätigen eines der beiden Knöpfe an der Station.
 

Apropos Knöpfe: Die Station lässt sich mit einem PC-Programm (leider nur für Windows, siehe weiter unten) konfigurieren und die Einstellungen per SD Karte auf die Station übertragen. Mit den beiden Knöpfen lassen sich nun die drei voreingestellten Temperaturen auswählen, eine Korrektur-Temperaturdifferenz eingeben, oder die Standby Zeit einstellen. Die Station lässt sich auch gegen Veränderung sperren, aber das habe ich noch nie genutzt.

 

Das Highlight ist aber der leichte und gut in der Hand liegende Kolben. Zusammen mit dem flexiblen und dünnen Kabel lässt sich damit geschickt und präzise arbeiten – als ob man einen Schreibstift in der Hand hält. Die Lötspitzen sind ohne Werkzeug tauschbar, indem man eine Überwurfmutter aus Plastik (http://amzn.to/2cT30hd) abdreht und die Spitze abzieht. Diese Art der Lötspitzenbefestigung hält sicher, ist ohne Werkzeug bedienbar, aber leider auch nicht die schnellste Form des Spitzenwechsels. Man kann nämlich die Spitzen nur im abgekühltem Zustand ohne die Gefahr verbrannter Finger wechseln. Eine Art Zange oder ähnliches zum Fassen der Spitzen, oder eine Art „Schnellauswurf“ existiert leider nicht. Wechseln im aufgeheizten Zustand wird somit ein Geschicklichkeitsspiel. Wer öfters die Spitzen wechseln möchte, sollte sich hier eine andere Station anschauen. Es gibt teurere Vertreter mit z.B. mehreren Lötkolben-Anschlüssen. Ich will damit aber nicht ausschließen, dass es auch günstigere Stationen mit einer entsprechend komfortablen „Wechselfunktion“ gibt. Ich persönlich brauche sie nicht und sehe hier keinen Kritikpunkt.

ersa-i-con-pico-soldering-station-01

Für meine Zwecke habe ich mir zusätzlich zur mitgelieferten meißelförmigen Spitze auch noch andere Spitzen geholt, wie z.B. eine 0,8mm feine Bleistiftspitze für das Löten von SMD Bauteilen (http://amzn.to/2ceZdoW).
Die i-CON gibt es auch als „geerdete und entkoppelte“ Nano Version (http://amzn.to/2cOyrrO), welche fürs SMD Löten empfohlen wird. Ich denke aber, dass dies für den semi-professionellen Bereich und entsprechenden Vorkehrungen nicht nötig ist. Vielleicht belehrt mich ja die Erfahrung noch eines Besseren. Die Mehrausgabe von ca. 60 Euro war mir persönlich zu viel für meine aktuellen Zwecke. Dafür hab ich mir lieber Zubehör, wie gutes Lötzinn, einen Entlötkolben, Entlötlitzen, und weitere „Löt-Basics“ gekauft.

Auch gut: Die Lötspitzen sind relativ günstig und in allen Formen erhältlich. Sowohl bleihaltiges, als auch bleifreies Lötzinn lässt sich damit gut verlöten.

Apropos bleihaltiges Lötzinn: Schaut euch mal meinen selbstgebauten, 3D-gedruckten Lötrauch-Abzug an, den ihr bei Thingiverse unter http://www.thingiverse.com/thing:1746733 finden könnt.

Kritikpunkte

ersa-i-con-pico-soldering-station-02Negativ fällt die Lötkolben-Ablage auf, was zum Punktabzug führt.
Zum einen hält sie den Drahtschwamm nur bedingt gut in Form, so dass man den immer mal wieder zurecht drücken muss.
Zum anderen ist die Spiralhalterung nicht sonderlich gut geformt. So muss man aufpassen, dass man den Kolben richtig und fest reinsteckt. Tut man das nicht, rutscht der Kolben zur Seite und die heiße Spitze berührt die Spirale. Dadurch heizt sich die Spiralhalterung und damit das Handteil des Kolbens auf. Ich habe das anfangs nicht gewusst, nicht beachtet und mich geärgert, dass man den Kolben im Bereich der Finger kaum halten konnte – so heiß wurde er. Ich dachte, dass die Hitze der Spitze bis hin zum Handteil durchschlägt. Nachdem ich den Grund herausgefunden habe und den Kolben seither richtig ablege, ist das Problem verschwunden.
ersa-i-con-pico-soldering-station-03Hier hätte ich mir von ersa etwas mehr „Engineering“ gewünscht.
Aber: Die Ablage ist zum einen bei richtiger Bedienung zweckmässig und zum anderen leicht und relativ günstig austauschbar. Wichtig ist die Station, das Kabel und der Kolben – und die sind wirklich spitze! Trotzdem sollte auch das Grundlagenzubehör passen, wenn man die volle Punktzahl will.

Der letze Kritikpunkt ist die reine Windows-kompatible Konfigurationssoftware für die (wenigen) Einstellungen der Lötstation. Nicht nur, dass ersa keine Mac- und Linux-Version der Software bereitstellt, nein, sie haben auch keinerlei Infos über das binäre Datenformat bereitgestellt. Somit kann man (ich) als Informatiker nicht (mal eben) eine entsprechende Software für Mac und Linux schreiben. Hier würde ich mir mehr Offenheit, oder aber „ganzheitliche“ Entwicklungsarbeit seitens ersa wünschen.

Fazit

Alles in allem bekommt die Station aber eine sehr gute Bewertung und eine klare Kaufempfehlung von mir. Für einen Preis von 130 Euro bekommt man eine Marken-Lötstation mit guter Verarbeitung und ordentlich Leistung. Neben einem großen Lötspitzen-Sortiment existieren auch alle wichtigen Teile der Station als Ersatzteil zum Kauf, so dass man über Jahre hinweg viel Freude mit der Station haben sollte. Die drei negativen Punkte, von denen zwei auf den Ablageständer und einer auf die Konfigurationssoftware geht, schmälern die Bewertung nur geringfügig.

ersa-i-con-pico-score

3 Gedanken zu “Review: ersa i-CON PICO Lötstation

  1. Jürgen Müller

    Schöner Review, danke! Zwei Kommentare hätte ich:

    (a) Der Spitzenwechsel klappt schnell und auch bei heißer Löstspitze unfallfrei, wenn man sich für jede (häufig verwendete) Lötspitze eine eigene Überwurfmutter kauft. Spitze und Überwurfmutter bleiben zusammen und lassen sich schnell ab- und aufschrauben. Ausschalten sollte man den Lötkolben für diese Aktion trotzdem, damit das Heizelement währenddessen nicht bis zur Rotglut aufheizt.

    (b) Ob eine Lötdampfabsaugung sinnvoll ist, hat m.E. nichts mit bleihaltigem vs. bleifreiem Lötzinn zu tun. Was da dampft und raucht (und ggf. gesundheitsschädlich ist), ist das Flussmittel, nicht das Zinn und Blei. Der Lötkolben bringt das Metall zum Schmelzen, aber sicher nicht zum Verdampfen!

    Gruß,
    Jürgen

    Antworten
    1. Martin Majewski Artikelautor

      Hallo Jürgen,

      vielen Dank für deine Anerkennung zum Review und deine Anmerkungen.
      Die Idee der zusätzlichen Überwurfmuttern ist gut und die Anmerkung zum Dampf klingt plausibel. Man lernt nie aus.

      Liebe Grüße,
      Martin

      Antworten
  2. Pingback: 3D-Printing: Zinn-Dampfabzug mit Aktivkohlefilter – MartinMajewski.net

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